Immobilien in Uruguay | van Bevern

Sonntag, 21. März 2010
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erschienene Uruguay-Newsletter

Hier finden Sie unsere bislang veröffentlichten Uruguay-Newsletter. Wenn Sie sich für unseren Newsletter anmelden möchten, können Sie das hier tun.

 

Uruguay-Newsletter Nr. 1 vom 26.09.2008

Uruguay-Newsletter Nr. 2 vom 04.11.2008

Uruguay-Newsletter Nr. 3 vom 08.01.2009

Uruguay-Newsletter Nr. 4 vom 16.03.2009

Uruguay-Newsletter Nr. 5 vom 07.04.2009

Uruguay-Newsletter Nr. 6 vom 01.07.2009

Uruguay-Newsletter Nr. 7 vom 19.09.2009

Uruguay-Newsletter Nr. 8 vom 10.10.2009

Uruguay-Newsletter Nr. 9 vom 17.02.2010

 

1. Uruguay-Newsletter

Veröffentlicht am 26.09.2008

Liebe Uruguay-Interessenten,

nachdem wir vor ca. 2 Monaten unseren Newsletter-Service eingerichtet haben, wird es nun Zeit für unsere ersten Infos.

Wir waren wirklich überrascht über das außerordentlich rege Interesse an diesem Angebot und möchten uns zunächst bei Ihnen allen dafür bedanken.

Uruguay bereitet sich langsam aber sicher auf die nächste „Temporada“ vor, die Saison zwischen Ende Dezember und März. Der Winter war ausgesprochen moderat, um nicht zu sagen gemütlich, vor allem im Vergleich zum „Jahrhundertwinter“ 2007. Dieses Jahr konnten wir uns sogar über drei „Veranillos“ freuen, die kleinen Sommer, wie die Uruguayos die immer mal wieder mitten im Winter auftretenden Warmphasen nennen, bei denen für jeweils zwei bis drei Tage fast Strandtemperaturen erreicht werden.

Eigentlicher Anlass dieses ersten Newsletters aber ist eine vor wenigen Tagen in den hiesigen Tageszeitungen erschienene Meldung, die uns wieder einmal bestätigte, dass Uruguay zur Zeit eine sehr nachhaltige Phase wirtschaftlichen Aufschwungs erlebt, die uns recht zuversichtlich in die Zukunft schauen lässt.

Bereits in den letzten Jahren verzeichnete die Wirtschaft überdurchschnittliche Wachstumsraten von bis zu 7,4 %, wobei die Inflation leider teilweise bei 8,5 % lag. Die Prognosen dieses Jahres gehen nun sogar von einem Wachstum von etwa 9,5 % aus, wobei es im August gar bei über 13 % lag.

Dass die Preise dabei weiter angezogen sind, vor allem bei den Lebensmitteln, ist ein globaler Trend, der unter anderem der weltweiten Nahrungsmittelknappheit zuzuschreiben ist und der für eine weiterhin steigende Nachfrage nach Agrarland in Uruguay sorgt. In diesem Sektor wird sich die Preisentwicklung der letzten Jahre aller Voraussicht nach zumindest für absehbare Zeit entsprechend weiter fortsetzen, auch wenn viele Uruguayer nicht recht daran glauben wollen. Das allerdings war auch schon vor zwei Jahren nicht anders und damals kostete der Hektar etwa die Hälfte dessen, was heute dafür verlangt und vor allem eben auch bezahlt wird.

Viel bemerkenswerter als die positiven Wachstumszahlen erscheint uns jedoch die Tatsache, dass es, wenn man den Meldungen Glauben schenken darf, darüber hinaus gegen den globalen Trend gelungen ist, die Inflationsrate um ca. 1 % zu senken.

All dies und ein relativ starker Peso, vor wenigen Wochen noch einmal gestützt durch die überraschende Ankündigung der beiden großen Nachbarn Argentinien und Brasilien, den Dollar als Außenhandelswährung schon im Oktober abschaffen zu wollen, spricht dafür, dass es auch in der kommenden Saison im Tourismus Zuwächse geben wird. Inwiefern sich das auf die Immobilienpreise auswirken wird, bleibt abzuwarten. Der hiesige Immobilienmarkt ist stark an die Entwicklung im Tourismus gekoppelt, da ein Großteil der Häuser an der Küste während der Saison vermietet wird und eine größere Nachfrage selbstverständlich die Mieten steigen ließe, was wiederum auch höhere Verkaufspreise nach sich zöge.

Zum Abschluss unseres ersten Newsletters möchten wir Sie noch auf unser kleines Video auf der Startseite unserer Internetseite www.van-bevern.com aufmerksam machen und würden uns freuen, wenn wir Ihnen damit noch ein wenig mehr Geschmack auf Uruguay machen könnten.

Mit einem herzlichen Gruß vom Río de la Plata möchten wir uns für dieses Mal verabschieden.

Con saludos cordiales y hasta la proxima véz

Ihre

Martina & Michael van Bevern

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2. Uruguay-Newsletter

Veröffentlicht am 04.11.2008 

Liebe Uruguay-Interessenten,

sicher werden viele von Ihnen schon auf unseren Newsletter zumThema Nr. 1 der letzten Wochen und Monate gewartet haben: Wie machtsich die internationale Finanzkrise in Uruguay bemerkbar?

Die Antwort darauf ist auch der Grund dafür, warum wir unsbislang mit einem Newsletter zu diesem Thema zurückgehaltenhaben: Uruguay ist bislang von der Krise nur mäßigbetroffen.

Den natürlich mit Vorsicht zu genießenden Beteuerungender Regierungspolitiker, das Land sei finanziell gut gewappnet,folgte Ende Oktober eine gleichlautende Einschätzung von DavidYuravlivker von der Weltbank, der bei einem Besuch in Montevideosagte, dass Uruguay zu den finanziell und wirtschaftlich am besteneingestellten Ländern Lateinamerikas gehöre, wenngleich esselbstverständlich nicht vollständig verschont bleibenwerde. Nach Yuravlivkers Einschätzung werde man in Lateinameriamit einem durchschnittlichen Rückgang des bislangprognostizierten Wirtschaftswachstums um 1 - 1,5 % rechnen müssen,was für Uruguay im Extremfall eine Abschwächung auf Werteum 7 - 8 % Wachstum bedeuten würde.

Unter anderem wird die kommende Tourismus-Saison Einfluss auf dieweitere Entwicklung im Land haben. Es ist zur Zeit schwervorherzusehen, wie die Saison verlaufen wird. Der positivenEntwicklung im Inland steht auf der anderen Seite z. B. der imVerhältnis zum Dollar stark gefallene brasilianische Realgegenüber, der für Touristen aus Brasilien den Urlaub beimkleinen Nachbarn teuer werden lässt und gleichzeitig Uruguayeran die Strände Brasiliens locken könnte.

Eine durch Verunsicherung der Bevölkerung ausgelösteKaufzurückhaltung ist hingegen bislang kaum zu spüren,jedenfalls nicht den Binnenmarkt betreffend. Hingegen sind ersteAuswirkungen aufgrund rückläufiger Exportzahlen zuverzeichnen, so gab es in den vergangenen Wochen ca. 3.000 zumindestvorübergehende Entlassungen z. B. in der Fleisch-, in der Lederund in der Wollindustrie.

Eine evtl. Auswirkung der Finanzkrise auf die Immobilien-Preiseist kaum vorhersagbar. Natürlich könnte einerseits einRückgang der Besucherzahlen aus den großen Nachbarländerndie Preise für Häuser an der Küste drücken,andererseits spricht das spürbar wachsende Kaufinteresse z. B.aus Europa eher für einen gegenläufigen Trend.

Insgesamt kann man die Situation als ruhig, abwartend und stabilbezeichnen.

Con saludos cordiales y hasta la proxima véz

Ihre

Martina & Michael van Bevern

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3. Uruguay-Newsletter

Veröffentlicht am 08.01.2009 

Von Krise keine Spur

Liebe Uruguay-Interessenten,

zunächst und vor allem wünschen wir Ihnen ein frohes, erfolgreiches und vor allem gesundes neues Jahr.

Wir schauen auf ein sehr gutes Jahr 2008 zurück und sind ein wenig stolz auf den außerordentlichen Erfolg unserer "neuen" Internetseite, die wir Anfang des letzten Jahres online stellten und die seither ca. 75.000 Besucher und etwa eine halbe Millionen Seitenaufrufe hatte. Sie haben zu diesem Erfolg beigetragen und dafür möchten wir uns an dieser Stelle ganz herzlich bedanken.

Wir werden weiterhin an der Optimierung unseres Internetangebots arbeiten, so haben wir aktuell z. B. einen neuen Menüpunkt (FAQ- Frequently Asked Questions ) mit den häufigsten Fragen zu den Themen Immobilienkauf und Auswanderung nach Uruguay eingestellt.

Hier hat nach Weihnachten die Tourismus-Saison 2009 begonnen, die diesmal aufgrund der globalen Finanzkrise mit besonders viel Spannung und erheblicher Skepsis erwartet wurde. Die Anbieter rechneten fast durchweg mit einer eher schlechten Saison und die anfangs eher schleppenden Buchungen für Hotelzimmer und Hausvermietungen, vor allem in Punta del Este, schienen das zu bestätigen. Viele glaubten, dass aufgrund dessen die Immobilienpreise nach der Saison, also ab März, spürbar fallen werden.

Es mag im Einzelfall zu den üblichen saisonal bedingten Preiskorrekturen kommen, aber tendenziell erwarten wir persönlich weiterhin stabile bzw. eher steigende Preise. Nach den ersten Wochen der neuen Saison lässt sich absehen, dass wir mit unserer Einschätzung nicht ganz falsch liegen, denn trotz der anfangs zögerlichen Buchungen scheint die Temporada alles andere als schlecht oder auch nur durchschnittlich zu verlaufen.

Die bisherigen Zahlen übertreffen sämtliche Erwartungen und z. Z. sieht es sogar nach einer Rekordsaison aus. So sind die Hotelzimmer z. B. in Punta del Este zu über 90 % belegt und Spontanurlauber haben schon jetzt große Schwierigkeiten, an den Küsten der Departamentos Canelones, Maldonado und Rocha Unterkünfte zu finden. Die große Überraschung sind dabei die Gäste aus Brasilien. Aufgrund des eher schwachen Real rechnete man mit weniger Besuchern aus dem großen Nachbarland. Das Gegenteil ist der Fall. Ca. 50 % aller Hotelzimmer in Punta del Este sind von Brasilianern belegt und aus Rocha werden noch höhere Zahlen gemeldet. Auch die Besucherzahlen aus anderen südamerikanischen Ländern sowie aus Europa und den Vereinigten Staaten liegen teilweise deutlich über denen der Vorjahre.

Natürlich, die Saison hat gerade erst begonnen und es bleibt abzuwarten, welches Resümee am Ende gezogen werden kann. Wir sind diesbezüglich, wie auch hinsichtlich der gesamten weiteren Entwicklung Uruguays sehr guter Dinge. Die Strände Maldonados jedenfalls haben wir persönlich noch nie so belebt gesehen.

In diesem Sinne gehen wir voll positiver Erwartungen in das neue Jahr und verbleiben auch dieses Mal

con saludos cordiales y hasta la proxima véz

Ihre Martina und Michael van Bevern

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4. Uruguay-Newsletter

Veröffentlicht am 16.03.2009 

Liebe Uruguay-Interessenten,

unser 4. Newsletter hat etwas auf sich warten lassen. Über 2 Monate sind seit unserer letzten Rundmail vergangen.

Das liegt in erster Linie daran, dass es nicht viel Neues zu berichten gibt, ein typisch uruguayischer Umstand und sicher nicht das schlechteste Zeichen in Zeiten, in denen Horrormeldungen aus allen Teilen der Welt an der Tagesordnung sind.

Auch der in Europa allgegenwärtige mediale Dauerbrenner, die globale Finanzkrise, ist hier in Uruguay weiterhin oft nur Randnotiz. Das hat verschiedene Gründe: Erstens waren die uruguayischen Banken in die internationalen Spekulationsgeschäfte bei weitem weniger involviert als beispielsweise die europäischen Banken, zweitens ist Uruguay bekanntlich keine Industrienation, sondern lebt noch immer hauptsächlich vom Export seiner landwirtschaftlichen Produkte und vom Tourismus und drittens, ironischerweise nun scheinbar ein Vorteil, reagieren die Menschen hier auf Krisen relativ gelassen – sie sind sie gewohnt und haben sie alle überstanden. Die nationale Krise von 2002 beispielsweise hatte wesentlich gravierendere Folgen für das Land, das, wie sich heute zeigt, gestärkt daraus hervorging.

Natürlich geht die aktuelle Krise auch an Uruguay nicht spurlos vorbei. So ist die Arbeitslosigkeit seit Dezember 2008 um 1% auf aktuell 7,8% gestiegen (Deutschland: 8,5% im Februar 2009). Die Exportzahlen sind etwas rückläufig, was neben der Finanzkrise vor allem auch an der Dürre des vergangenen Jahres liegt. Sie halten sich im Ganzen jedoch relativ stabil.

Den vor Beginn der diesjährigen Saison von vielen erwarteten Einbruch im Tourismus hat es offenbar hingegen nicht gegeben, im Gegenteil. Bereits im letzten Jahr gab es zweistellige Zuwachsraten und schon bald nach Beginn der diesjährigen Saison zeichnete sich ab, dass selbst diese Rekordzahlen noch einmal überboten werden. Wir hatten in unserem letzten Newsletter ja bereits darüber berichtet. Wenn man aktuellen Meldungen Glauben schenken darf, sind die Umsätze im Tourismussektor im Januar gegenüber dem Vorjahr noch einmal um stattliche zweistellige Prozentzahlen gestiegen.

Wie von uns erwartet, gibt es entsprechend dieser Entwicklung keine spürbaren Preissenkungen bei den Immobilien, man wird im Gegenteil, wie schon in den letzten Jahren, mit Preissteigerungen vor Beginn der nächsten Saison im Dezember dieses Jahres ausgehen müssen.

Anders sieht es dagegen bei den landwirtschaftlichen Flächen aus. Auf diesem Sektor wird aufgrund der leicht rückläufigen Exportzahlen und der Produktionsausfälle aufgrund der nun endlich überstandenen Dürre der letzten Monate, für das laufende Jahr ein Preisrückgang von 10 bis 15 Prozent erwartet.

Wir verabschieden uns und verbleiben bis zu unserem nächsten Newsletter

con saludos cordiales y hasta la proxima véz

Ihre Martina und Michael van Bevern

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5. Uruguay-Newsletter

Veröffentlicht am 07.04.2009 

Oase in der Wüste

Liebe Uruguay-Interessenten,

"24 Stunden im Paradies", so titelte die Tageszeitung "El Observador" am vergangenen Sonntag und drückte damit recht treffend aus, was Uruguays Erscheinen auf der sogenannten "Schwarzen Liste" der OECD im Land vor allem ausgelöst hat: eine Art heiteres Erstaunen. Offiziell reagierte man natürlich empört und besorgt, aber die Tatsache, dass das Thema nur einen Tag später keiner der großen Tageszeitungen mehr eine Meldung auf der Titelseite wert war, dürfte beredter Beleg sein, für die Gelassenheit, mit der man hier auf den Zwischenfall reagiert.

Der Vorfall wird wohl als skurriles Kurzkapitel in die Geschichte der hiesigen Finanzwelt eingehen und in diesem Fall gilt wirklich: "In der Kürze liegt die Würze". Eine bessere Werbekampagne hätte sich das angebliche Steuerparadies Uruguay nun wirklich kaum wünschen, geschweige denn leisten können. Weltweit in aller Munde, das dürfte zuletzt bei der Fußballweltmeisterschaft 1950 gelungen sein. Man hätte es nicht wirksamer inszenieren können: Dem überraschenden Auftritt mit Paukenschlag folgte schließlich ein verblüffend sauberer Abgang. Zweimal innerhalb von 24 Stunden in den Schlagzeilen und am Ende weiß eigentlich niemand so recht warum. Was bleibt unterm Strich, wie soll man den kurzen Auftritt schlussendlich werten? Ist Uruguay nun tatsächlich zum Steuerparadies erkoren worden oder nicht und wenn ja, wäre das für das Land eher negativ oder womöglich doch eher positiv? Nur eines steht fest: Das Interesse an Uruguay ist sicher gewachsen.

Diesbezüglich ließe sich der ominösen OECD-Liste vielleicht noch ein gewisser Wert beimessen, den man ihr allerdings bei etwas ernsthafterer Betrachtung wohl eindeutig absprechen muss. Die Welt und nicht zuletzt die uruguayische Bevölkerung ist nach dem Londoner-G20-Gipfel wieder einmal um einige Erkenntnisse reicher geworden. Dachte man bislang, dass beispielsweise der US-Staat Delaware, die britischen Kanalinseln, die Seychellen oder vielleicht noch Zypern die wahren Steuerparadiese seien, reiben sich zumindest die Menschen in Uruguay nun ihre manchmal etwas verschlafenen Augen: Hier also ist das wahre Paradies, wer hätte das gedacht?

Uns persönlich hat die Nachricht nicht ganz so überrascht: Dass Uruguay in vielerlei Hinsicht paradiesische Seiten hat, ist uns schließlich schon länger bekannt – darum leben wir hier! Allerdings müssen wir zugeben, dass uns die jetzt von der OECD gefundenen paradiesischen Seiten ohne deren Hilfe wohl eher verborgen geblieben wären.

Eine Mehrwertsteuer von 22% beispielsweise würde in Deutschland sicherlich nur von wenigen mit dem Adjektiv "paradiesisch" belegt. Bis Juli 2007 gab es keine Einkommensteuer in Uruguay – das ist wahr, aber das ist ja nun vorbei. Aktuell fallen für im Land erwirtschaftete Unternehmensgewinne einheitlich 25% Einkommensteuer an. Sicher ist dieser Satz für Spitzenverdiener, gerade im direkten Vergleich zu Deutschland (bis zu 45%), moderat, aber doch gewiss nicht paradiesisch.

Wenn es also um die Steuerlast geht, kann Uruguay kaum als Steuerparadies bezeichnet werden. Das von den "Mahnern in der Wüste" auf dem G20-Gipfel beschworene Bild der Steueroase ist da meiner Meinung nach schon treffender. Es gelte, so der fast einhellige Tenor, "Steueroasen auszutrocknen". Man hätte vielleicht einen Gedanken daran verschwenden sollen, dass in der Regel nicht Oasen, sondern doch wohl eher die Wüsten ein Problem darstellen. Kann man es jemandem verdenken, wenn es ihn aus der Wüste in eine Oase zieht? Es ist an Zynismus kaum zu überbieten, wenn diejenigen die aus ihren Ländern hinsichtlich ihrer Haushalte wahrhaftig Wüsten gemacht haben, nun fordern, dass man überall ihrem Beispiel zu folgen habe. Selbstverständlich müssen Steuern bezahlt werden, aber es bleibt in einer freien Welt doch wohl jedermann selbst überlassen, wo er das tun möchte. Keiner verlangt dabei, dass Steuersünder geschützt werden sollen.

Aber genau in dieser Hinsicht, so heißt es seitens der OECD, verhalte sich Uruguay unkooperativ. Was heißt das? Die Banken decken nicht auf, was auf ihren Konten liegt. Hier – in der vermeintlich dritten Welt - gilt nämlich noch das Bankgeheimnis. Was jetzt plötzlich als verschwörerische Geheimniskrämerei angeprangert wird, deren Beseitigung von einem deutschen Finanzminister geradezu euphorisch gefeiert wird, zählte vor nicht allzu langer Zeit auch noch in Deutschland zu den wesentlichen Elementen des Schutzes der Privatsphäre des Menschen. Dieses Bollwerk ist in Deutschland Stein für Stein abgebaut worden – ohne viel Lärm natürlich. Ich bin froh, dass es hier in Uruguay noch nicht jedem Finanzbeamten oder Beschäftigten einer Sozialbehörde möglich ist, bei jeder Bank alle Konten jedes Bankkunden per Computer und ohne Wissen der entsprechenden Bank oder des Kunden abzurufen. In Deutschland ist das seit April 2005 mit dem Inkrafttreten der Artikel 2 und 3 des sogenannten "Gesetzes zur Förderung der Steuerehrlichkeit" Realität, das gilt übrigens nicht nur für Girokonten, sondern genauso für Sparbücher, Festgeldkonten und Aktiendepots.

Macht also das uruguayische Bankgeheimnis das Land zum Paradies für Steuerflüchtlinge? Will jemand seine Scherflein ins Trockene bringen, dann ist er, um im Bild der Steueroasen zu bleiben, in mancher Wüste besser aufgehoben. Bis zu einem Betrag von 10.000 US$ mag das in Uruguay noch funktionieren, bei höheren Beträgen aber würde es schwer. Selbst wenn es jemandem gelingen sollte, den berühmten Koffer Bargeld an den Zollkontrollen vorbei zu schmuggeln – wohin damit? Die uruguayischen Banken jedenfalls sperren Kontoeingänge über 10.000 US$ sofort und geben das Geld erst frei, wenn ein entsprechender Herkunftsnachweis vorgelegt wurde.

Uruguay sei nicht kooperativ, sagt die OECD und auf die schnelle Veröffentlichung der "Schwarzen Liste" der Unkooperativen drängten vor allem Frankreichs Präsident Sarkozy und Bundeskanzlerin Merkel. Wenn Uruguay nach Meinung der Kanzlerin so wenig kooperativ ist, wie kommt dann ein Doppelbesteuerungsabkommen zustande, das zwischen Uruguay und Deutschland beispielsweise seit 1987 besteht?

Der ehemalige Wirtschaftsminister und jetzige Präsidentschaftskandidat der "Frente Amplio", Danilo Astori, hat auf einem Volksfest in Montevideo am vergangenen Sonntag die, wie ich finde, richtigen Worte gefunden:

"Uruguay sollte ein Steuersystem nach unserem Verständnis haben und nicht eines, was andere für richtig halten. Uruguay ist bereit, mit Ländern Informationen auszutauschen, mit denen ein Doppelbesteuerungsabkommen besteht, aber wir selbst werden entscheiden, mit welchen Ländern wir einen solchen Vertrag schließen."

Mehr gibt es dazu kaum zu sagen.

Seit heute übrigens hat die OECD eine neue Überraschung parat: Die "Schwarze Liste" existiert nicht mehr - die Welt ist frei von Steuerparadiesen! Das Paradies geht mit der Unschuld verloren – also, wen wundert's.

Con saludos cordiales y hasta la proxima véz

Ihre

Martina & Michael van Bevern

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6. Uruguay-Newsletter

Veröffentlicht am 01.07.2009 

Liebe Uruguay-Interessenten,

zunächst einmal ein herzliches Dankeschön an alle, die uns in der letzten Zeit gefragt haben, wo der nächste Uruguay-Newsletter bleibt.

In der Tat, es sind fast drei Monate seit der letzten Veröffentlichung vergangen. So eine lange Pause darf und wird es in Zukunft nicht mehr geben, selbst wenn, wie in diesen letzten Monaten, wirklich wenig Weltbewegendes in Uruguay geschieht, ein Umstand, der ja unter anderem den Reiz dieses kleinen und ruhigen Landes ausmacht.

Uruguay ist nicht das Land der weltbewegenden Geschichten, die Menschen hier werden von anderem bewegt als von Terror, Krieg und Finanzkrise. Manche Meldung auf den Titelseiten der uruguayischen Tageszeitungen erschiene in deutschen Gazetten, wenn überhaupt, höchstens als Randnotiz im Lokalteil. Diesen Umstand werden wir in unsere zukünftigen Newsletter verstärkt einfließen lassen.

Die Titelseiten der letzten Tage gehörten in Uruguay den Vorwahlen zu den Präsidentschaftswahlen im Oktober und einem heftigen Sturm, der an der Südwestküste teils erhebliche Schäden verursachte.

Mit Spitzengeschwindigkeiten von 120 Stundenkilometern, auf dem Wasser sogar 140 Stundenkilometern, erreichte der Sturm Orkanstärke und sorgte für schwere Verwüstungen, vor allem in den Departamentos Maldonado und Rocha, in denen der Notstand ausgerufen wurde. Zahlreiche Bäume wurden entwurzelt, Ampelanlagen, Straßenschilder und ein 70 Meter hoher Kran stürzten um, die Luxusjachten im Hafen von Punta del Este wurden zum Teil aufs Land geworfen, einige Menschen mussten evakuiert werden, 25.000 Häuser waren ohne Strom und es gab einen Schwerverletzten.

Im Verhältnis zu diesen Wetterkapriolen verliefen die Vorwahlen am Sonntag ruhig, auch wenn die Ergebnisse bei der regierenden Linkskoalition Frente Amplio manch internen Sturm auslöst haben dürften.

Die lange vor der Wahl favorisierten Politiker, José Mujica für die regierende Linkkoalition Frente Amplio, Luis Alberto Lacalle für die Nationalpartei (Partido Nacional) und Pedro Bordaberry für den Partido Colorado sind als Präsidentschaftskandidaten gewählt worden, in dieser Hinsicht gab es also keine Überraschung. Anders jedoch sieht es bei der Stimmverteilung zwischen den Parteien selbst aus, die zwar keine direkte politische Auswirkung hat, aber doch als richtungsweisendes Signal für die Hauptwahlen im Oktober gesehen werden muss.

Man hatte seitens des Frente Amplio sicher nicht damit gerechnet, dass die Nationalpartei mit ihrem Kandidaten Luis Alberto Lacalle, der von 1990 bis 1995 bereits Präsident war, etwa 45 Prozent der Stimmen erhalten würde und damit ca. 5 % mehr, als die eigene Koalition. Alle Prognosen vor der Wahl gingen von genau umgekehrten Verhältnissen aus.

Das ist eine ziemlich schmerzende Ohrfeige für die Regierung und wird auch in den eigenen Reihen diejenigen bestärken, die den 74-jährigen ehemaligen Landwirtschaftsminister José Mujica für das Präsidentenamt ungeeignet halten, in erster Linie nicht einmal wegen seiner extrem linken politischen Ausrichtung, sondern aufgrund seiner oft ungepflegt wirkenden persönlichen Erscheinung und seines zuweilen mehr als hemdsärmeligen Auftretens in der Öffentlichkeit.

In Uruguay achtet man sehr darauf, wie sich das Land nach außen präsentiert, man legt Wert auf Traditionen und erwartet von den Vertretern des Landes ein entsprechend traditionelles Auftreten. Ein Präsident mit Dreitagebart, Sturmfrisur, schlabberigem Pullover und hängenden Hosen ist für die Mehrheit einfach undenkbar.

Der aktuelle Präsident, Tabaré Vázquez, der nach der uruguayischen Verfassung in direkter Folge kein zweites Mal gewählt werden kann, hinterlässt in den eigenen Reihen eine nicht zu schließende Lücke. Seine gemäßigt linke Ausrichtung war großen Teilen des Frente Amplio, vor allem natürlich den an der Koalition beteiligten Kommunisten von je her ein Dorn im Auge. Die insgesamt positive wirtschaftliche Entwicklung der letzten 5 Jahre verdankt das Land wohl in erster Linie der Politik und der starken Persönlichkeit von Tabaré Vázquez. Ein Präsident Mujica würde die extreme Linke des Frente Amplio stärken und der eher bürgerlichen Orientierung unter dem derzeitigen Präsidenten ein jähes Ende bereiten.

Das Ergebnis der Vorwahl ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Mehrheit der Bürger in einem solchen Linksruck eine Gefahr für den in den letzten Jahren gewachsenen Wohlstand sieht.

Keine Frage, José Mujica gehört zu den schillerndsten, aber auch kontroversesten politischen Persönlichkeiten Uruguays. Es gab in der Geschichte dieses Landes keinen anderen Präsidentschaftskandidaten, der die Gemüter so sehr bewegte. Es war sicher die einmalige Geschichte dieses Mannes, noch mehr aber wohl der Mangel an ernsthaften Alternativen, die dafür sorgten, dass er überhaupt zum Präsidentschaftskandidaten gekürt wurde. Noch vor zwei Jahren wäre das vollkommen undenkbar gewesen, zumal José Mujica keinerlei Ambitionen zeigte, im Gegenteil.

José Alberto Mujica Cordano war 1962 einer der Begründer und Führer der berühmt berüchtigten "Tupamaros", der Montivideaner Stadtguerilla MLN (Movimiento de Liberación Nacional – Bewegung zur nationalen Befreiung), die in ihrer Vorgehensweise mit Terroranschlägen und Entführungen hochrangiger Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft zum Vorbild der italienischen Roten Brigaden und der deutschen Roten Armee Fraktion, RAF wurde.

1972 wurde José Mujica ebenso wie die gesamte Führung der Tupamaros verhaftet. Unter unmenschlichen Bedingungen, er wurde mehrfach gefoltert, blieb er 13 Jahre lang inhaftiert. Erst mit der Amnestie des 1985 erlassenen "Gesetzes zur nationalen Befriedung" (Ley de Pacificación Nacional) wurde er aus der Haft entlassen und begann seine beispiellose politische Karriere, die 2004 in der Berufung zum Landwirtschaftsminister und nun zum Präsidentschaftskandidaten gipfelte.

Seine im Vorfeld der Wahl lautstark geäußerten Absichten, zum Beispiel zur Lockerung bzw. Aufhebung des Bankgeheimnisses, haben bei uns wie auch bei der Mehrheit der Uruguayos und teilweise selbst in den eigenen Reihen, alles andere als Begeisterung ausgelöst, sehr wohl hingegen beim politischen Gegner, der Nationalpartei, die sicher nicht zuletzt aufgrund dieser Äußerungen Mujicas nun als Sieger aus den Vorwahlen hervorgegangen ist.

Wenn einem an einer weiterhin positiven Entwicklung des Landes gelegen ist, muss man hoffen, dass es auch im Oktober nicht anders sein wird.

Von alledem, was Mujica in den letzten Jahren und im Vorfeld dieser Wahl geäußert hat, ist nichts so richtig gewesen, wie seine folgende Aussage:

"Yo no tengo pinta de eso que se llama presidente." - "Ich habe nicht den Look für das, was man einen Präsidenten nennt."

Wohl war, aber ob es nur am Look fehlt?

Im nächsten Newsletter werden wir Luis Alberto Lacalle, den einzigen Konkurrenten Mujicas und die Programme der beiden Präsidentschaftskandidaten vorstellen.

con saludos cordiales y hasta la proxima véz

Ihre Martina und Michael van Bevern

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7. Uruguay-Newsletter

Veröffentlicht am 19.09.2009 

 

Liebe Uruguay-Interessenten,

Wahlkampf in Deutschland, Wahlkampf in Uruguay, das ist wie ein nicht ganz ernst gemeintes Armdrücken auf der einen, und ein unfairer Boxkampf auf der anderen Seite.


Während sich Angela Merkel und Frank Walter Steinmeier verbale Wattebäuschchen an den Kopf werfen, greift man hier in Uruguay lieber gleich zu Pflastersteinen. Leider geht der Vergleich in der Tat über das rein Bildliche hinaus, denn die Gewalt im uruguayischen Wahlkampf ist abgesehen von den verbalen Attacken der beteiligten Politiker zuweilen nur allzu real.

Dabei scheinen vor allem die Entgleisungen des Kandidaten der Linkskoalition und ehemaligen Guerillakämpfers José Mujica seine Anhänger zu ermutigen, ihre verschrobenen politischen Vorstellungen mit Gewalt durchsetzten zu dürfen. Wen kann so etwas wirklich wundern, wenn ein Terrorist zum Präsidentschaftskanditaten erhoben wird.

Auf der Straße und im politischen Diskurs haben José "Pepe" Mujica und seine Anhänger in den letzten Tagen endgültig und für jeden sichtbar ihr wahres hässliches Gesicht gezeigt.

Anhänger der Nationalpartei wurden in Montevideo während einer Kundgebung von linksgerichteten Extremisten angegriffen, Parteilokale wurden mit Steinen beworfen.

Wie immer und überall sind es auch hier wieder nur einige wenige, die das Bild eines freiheitlich demokratischen Staates nachhaltig beschädigen. Ganz vorne dabei in diesem Fall der Präsidentschaftskandidat José Mujica selbst.

Weit davon entfernt, die gewalttätigen Übergriffe auf politische Gegner zu verurteilen, wirft er, Vorbild und Chávez-Freund der er ist, mit verbalen Pflastersteinen gegen den großen Nachbarn Argentinien, gegen Europa und vor allem natürlich gegen die Vereinigten Staaten nur so um sich. Mujica ist ein Revoluzzer alter Schule und als solcher kritisiert er alles und jeden – selbst die eigenen politischen Freunde kriegen ihr Fett weg. Die Steine fliegen ziellos in alle Richtungen. Jemand der alles treffen will, muss nicht lange zielen.

Ich habe in Vorbereitung auf diesen Newsletter gestern einen ganzen Tag mit der Übersetzung eines Interviews verbracht, welches José Mujica vor einigen Tagen der argentinischen Tageszeitung "La Nación" gab. Mit jeder Antwort Mujicas, mit jeder übersetzten Zeile, wurde mir mulmiger und immer klarer, dass dieser Mann niemals auch nur einen Zipfel vom Rockschoß der Macht zu fassen bekommen darf.

Mujica sagt gern von sich selbst, dass er sage, was er denke. Dass er allerdings auch ALLES sagt, was er denkt, darf sicher bezweifelt werden. Ich fürchte, in seinem Kopf spuken noch ganz andere Ideen, als die, über die er vor dieser Wahl spricht, einer Wahl, aus der er schließlich nur mit Hilfe der Stimmen auch aus dem bürgerlichen Mittelstand als Sieger hervorgehen könnte.

Mujica spricht sich für die Aufhebung des Bankgeheimnisses aus, Mujica sagt, man müsse das Privateigentum eventuell neu überdenken und eine Obergrenze für Landbesitz setzen, Mujica wirft sich dem Demagogen Chávez an den Hals, Mujica schwärmt von seinem Aufenthalt in China zur Zeit Maos, Mujica sagt, man könne sich leider den Luxus nicht erlauben, die Vereinigten Staaten zu ignorieren, Mujica versteht das Misstrauen der Arbeitgeber gegen seine Person, die müssten schließlich ihr Geld hüten, usw. usw.

Die Übersetzung des Interviews viel mir schwer, nicht nur wegen der ideologischen Ausrichtung – Mujica spricht eine eigene, zuweilen vulgäre Sprache. Ich war müde und bereits im Begriff, den Rechner herunterzufahren, nach diesem langen und obendrein auch noch verregneten Tag voller längst tot geglaubter Gespenster. Ich ging ein letztes Mal auf die Webseite von José Mujica. Was war das? Dort wo Mujica eben noch in fast arroganter und schamloser Art seine eigenen Entgleisungen propagierte, las ich nun plötzlich von Entschuldigungen und Verständnis, für die, die diese Entschuldigungen nicht würden annehmen können. Was war geschehen?

Sofort durchstöberte ich das Internet nach den neusten Informationen und es war, als stieße ich in ein Wespennest. Ganz Uruguay, Argentinien, Mujicas eigene Partei, der Präsident - alles war erschüttert, vor den Kopf gestoßen, erbost. Auf den Webseiten der Tageszeitung "El País" gab es tausende erzürnter Leserkommentare. Mujica hatte wieder zugeschlagen und diesmal richtig.

In einem 28-stündigen Interview, in 14 Sitzungen zu je 2 Stunden hatte er vor einem Journalisten in seiner laxen Art und in geradezu unglaublicher Naivität seine "privaten" und "intimsten" Ansichten über Gott, die Welt und Argentinien ausgebreitet. Nun war sein Erstaunen groß, als Alfredo García, so der Name des Journalisten, flugs ein Buch daraus gemacht hatte.

Mujica teilt darin kräftig aus – aber diesmal, so scheint es mir, hat er es zu weit getrieben.

Nur ein Beispiel: Argentinien sei ein hysterisches, verrücktes und paranoides Land und seine Politiker ein Bande von Schlägern. Es überrascht, dass man von dort bislang nur hört, man denke noch über eine offizielle Protestnote an Uruguay nach. Der uruguayische Präsident Tabaré Vasquez, der, man kann es kaum glauben, dem selben Linksbündnis angehört, meldet sich von einem Kongress in New York und nennt Mujicas Äußerungen einfach nur dumm und die eigene Partei gleicht einem aufgeschreckten Hühnerhaufen. Es herrschen Chaos und das blanke Entsetzten angesichts der nun wohl schon im Vorfeld verlorenen Wahl.

Bei der Nationalpartei hingegen dürfte man eine feuchtfröhliche Nacht verbracht haben und jeder, dem ein sich weiterhin positiv entwickelndes Uruguay wichtig ist, wird Mujicas Eigentor bejubeln.

Jorge Larañaga, der Vizepräsidentschaftskandidat der Nationalpartei sagte: "Von Mujica kann man vielleicht ein nettes, gemeinsames Asado (Grillen) erwarten, aber mit Sicherheit nicht, dass er einen Staat lenken kann."

Mujica hat immer angekündigt, er wolle sich auf seine Chacra zurückziehen, falls er die Wahl verlieren sollte. Er sollte schon mal den Grill anmachen. Ob allerdings jemand zu seinem Asado kommt, darf bezweifelt werden.

Ich für meinen Teil habe nach den überraschenden Nachrichten des Abends jedenfalls eine ruhige Nacht gehabt – ganz ohne Gespenster.

Mujica hat die Wahl verloren, davon bin ich überzeugt, und in Uruguay wird es weiter aufwärts gehen.

In unserem letzten Newsletter hatte ich angekündigt, den Kandidaten der Nationalpartei Luis Alberto Lacalle näher vorzustellen. Mujica hat sich vorgedrängelt. Mit dem nun wahrscheinlich nächsten Präsidenten werde ich mich dann beim nächsten Mal beschäftigen.

con saludos cordiales y hasta la proxima véz

Ihr Michael van Bevern

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8. Uruguay-Newsletter

Veröffentlicht am 10.10.2009 

Liebe Uruguay-Interessenten,

Stürmische Zeiten

...stehen Uruguay in den nächsten Wochen ins Haus.

Nicht in der Reihenfolge der Wichtigkeit, sondern in chronologischer Folge, beginnend mit den alles entscheidenden zwei letzten Spieltagen der südamerikanischen WM-Qualifikation, über die Ende Oktober stattfindenden Wahlen und die für Mitte November geplante Inbetriebnahme des neuen Flughafenterminals von Montevideo, bis hin zum sicherlich bedeutsamsten Ereignis, der am letzten November-Sonntag mit größter Wahrscheinlichkeit stattfindenden Stichwahl zwischen den beiden Präsidenschaftskandidaten José Mujica vom linken Parteienbündnis "Frente Amplio" und Luis Alberto Lacalle vom Partido Nacional.

Zunächst aber zum Fußball: Für viele Uruguayos ist die Qualifikation zur WM 2010 in Südafrika von den oben aufgeführten Ereignissen tatsächlich nicht nur in chronologischer Hinsicht das Thema Nr. 1.

Es geht für die wegen ihrer hellblauen Trikots sogenannte "Celeste", die Nationalmannschaft Uruguays, in den beiden verbleibenden Spieltagen um Alles oder Nichts. Zur Zeit belegt Uruguay in der Tabelle mit 21 Punkten den sechsten Platz und nur noch zwei Siege gegen die direkten Konkurrenten Ecuador (23 Punkte) und Argentinien (22 Punkte) könnten Uruguay noch den vierten Platz und damit die direkte Qualifikation sichern.

Sollte das Spiel am heutigen Samstag in Ecuador verloren gehen, könnte Uruguay wohl schon alle WM-Träume begraben, denn die Argentinos werden sich in der ebenfalls heute stattfindenden Partie gegen den Tabellenletzten Peru vor eigenem Publikum in Buenos Aires wohl kaum die Steaks vom Grill nehmen lassen. Sollte das kleine "Wunder von Quito" in der dünnen Andenluft Ecuadors jedoch gelingen, dann wird es am kommenden Mittwoch in Montevideo zwischen Uruguay und dem Erzrivalen Argentinien zu einem Showdown von kaum mehr zu steigernder Brisanz und Spannung kommen. Uruguay kann es im Gegensatz zu Argentinien und Ecuador aufgrund der beiden direkten Begegnungen mit den Kontrahenten noch aus eigener Kraft schaffen – aber all das könnte schon in wenigen Stunden Makulatur sein. Es wird in jedem Fall spannend.

Um auf die Wahlen zum Schluss eingehen zu können, an dieser Stelle noch ein paar Bemerkungen zu dem vermeintlich unwichtigsten Ereignis, der Eröffnung des neuen Terminals des Aeropuerto Internacional de Carrasco in Montevideo. (http://es.wikipedia.org/wiki/Archivo:Aeropuertodecarrasco.jpg)

Für Uruguay ist dieser neue, sehr futuristisch anmutende Terminal ein alles andere als unwichtiges Signal an die Welt und ein Symbol der insgesamt bemerkenswerten wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre. Mit dem architektonisch aufsehenerregenden Projekt präsentiert man sich selbstbewusst der internationalen Gemeinschaft und trägt nicht zuletzt auch dem wachsenden Tourismus Rechnung. Der neue Terminal, der modernste Südamerikas, wurde nach dreijähriger Bauzeit und einer Investition von 165 Mio. US-Dollar nach den Plänen des international renommierten uruguayischen Architekten Rafael Viñoly (http://www.rvapc.com/) fertiggestellt. Ausgelegt für eine Kapazität von etwa 3.000.000 Passagieren pro Jahr, hat er die etwa vierfache Größe des alten Terminals und wird unter anderem die mit 3.000 qm größte Duty-Free-Zone Südamerikas beherbergen.

Die Regierung legte selbstverständlich größten Wert auf eine Fertigstellung des neuen Flughafengebäudes noch vor der Wahl, denn damit hätte man sich vor einer internationalen Presse im Lichte von Fortschritt und Wachstum sonnen können. Nicht, dass es den unter der regierenden Linkskoalition in den letzten 5 Jahren nicht gegeben hätte, aber nach den Ereignissen der letzten Wochen hoffte man seitens der regierenden "Frente Amplio" auf ein wirkungsvolles Äquivalent zu den mehr als antiquierten Äußerungen und Plänen des eigenen Präsidentschaftskandidaten José Mujica, welche ich in unserem letzten Newsletter ja schon behandelt habe. Vergessen war da plötzlich, dass es ausgerechnet die Politiker des Frente Amplio waren, die sich seinerzeit am lautesten und mit Vehemenz gegen die Pläne des damaligen Präsidenten Dr. Jorge Batlle wehrten, der während seiner Amtszeit von 2000 bis 2005 den Neubau des Flughafens auf den Weg brachte.

Mit der rechtzeitigen Fertigstellung wurde es nur leider nichts und so eröffnete Präsident Tabaré Vázquez am 5. Oktober kurzerhand ein unfertiges Gebäude, welches erst Mitte November in Betrieb genommen werden kann, unter dem Motto: Besser eine kleine Wahlkampfveranstaltung, als gar keine. Ob's der Linkskoalition allerdings helfen wird, darf bezweifelt werden.

Selbst die der jetzigen Regierung wohlgesonnensten demoskopischen Erhebungen lassen kaum Zweifel an einem Sieg der Nationalpartei bei einer Stichwahl im November. Nicht nur in unserem letzten Newsletter, sondern auch in unserem Blog (immobilienuruguay.com) habe ich mehrfach meine diesbezüglichen Gedanken dargelegt. Ich habe, so der Autor eines anderen Uruguay-Blogs wörtlich, "von dem, was die Uruguayer denken, offenbar keine Ahnung." Ich will an dieser Stelle gar nicht weiter darauf eingehen. Warten wir einfach ab, was die Uruguayer wirklich denken –  wenn es ein Denkzettel für José Mujica und den Frente Amplio wird – mich würd's nicht überraschen. Ich bin im Gegenteil auch weiterhin felsenfest davon überzeugt, dass Mujica die Wahl nicht gewinnen kann. Eine absolute Mehrheit wird er im ersten Wahlgang am 25. Oktober nicht erringen können, darin sind sich in Uruguay alle einig. Schon allein diese Tatsache macht einen Wahlsieg bei der somit erforderlichen Stichwahl am 29. November in meinen Augen praktisch unmöglich, denn wer eine so polarisierende Gestalt wie Mujica nicht schon im ersten Wahlgang wählt, der wird dies in einem zweiten mit Sicherheit schon gar nicht tun. Die Stammwähler des Partido Colorado und die mit weitem Abstand meisten aller übrigen Parteien werden im Falle einer Stichwahl in das Lager Lacalles wechseln. Mujica wird bei der Stichwahl kaum Stimmen hinzugewinnen, Lacalle hingegen kann im November mit einem Stimmenzuwachs von 15 – 25 % gegenüber dem ersten Wahlgang rechnen.

Dr. Luis Alberto Lacalle Herrera, geboren am 13. Juli 1941 in Montevideo, der ehemalige und nun wahrscheinlich auch nächste Präsident Uruguays, bekleidete dieses Amt bereits von 1990 bis 1995. Er begann seine politische Karriere bei der Nationalpartei schon im Alter von 17 Jahren, als er seinen Großvater Luis Alberto de Herrera vor den Wahlen 1958 unterstützte, aus denen der Partido Nacional nach 93 Jahren in der Opposition als deutlicher Sieger hervorging.

1973 bis 1985 kämpfte er aktiv gegen die Militärdiktatur und entging 1978 einem anonymen Gift-Attentat, dessen Verantwortliche bis heute unerkannt blieben.

Nach der Wiederherstellung der Demokratie war er Senator und ab 1987 Vizepräsident des Senats. Am 29. November 1989, auf den Tag genau 20 Jahre vor dem Termin der diesjährigen Stichwahlen, wurde er zum 15. Präsident der Republik gewählt. Mit damals 48 Jahren war er einer der jüngsten Präsidenten des Landes.

Während seiner Präsidentschaft wurden verschiedene staatliche Betriebe, wie Banken, Versicherungen und die staatliche Gas- und Alkohol-Produktion privatisiert. Lacalle sprach sich dafür aus, Schritt für Schritt den staatlichen Einfluss abzubauen aber er stieß mit der Privatisierungswelle auf starken Widerstand in der Opposition und in großen Teilen der Bevölkerung. Eine galoppierende Inflation, im ersten Jahr der Regierungszeit Lacalles erreichte sie 100 %, sorgte nachvollziehbarer Weise für erhebliche Unruhen in der Arbeiterschaft, bei der die mäßigen Lohnerhöhungen mit den ständig anziehenden Preisen nicht mithalten konnten. 1991 kam es bezüglich weiterer Privatisierungspläne der Regierung zu einem Referendum, bei dem sich 72 % der Bevölkerung gegen Lacalles Ziele aussprach.

Lacalle hat dem Land, trotz dieser erheblichen Schwierigkeiten, neben den damit verbundenen nachhaltigen negativen Auswirkungen einen nicht unerheblichen wirtschaftlichen Aufschwung gebracht. Das Bruttosozialprodukt stieg während seiner fünfjährigen Amtszeit um insgesamt 23,5 % und die Investitionen wuchsen, natürlich auch aufgrund der Privatisierungen, um mehr als 70 %.

Vor den diesjährigen Wahlen macht sich die Nationalpartei für eine freie Marktwirtschaft möglichst ohne staatliche Regularien hinsichtlich der Preise, der Zinsentwicklung und Wechselkurse stark. Lacalle strebt außerdem neue Handelsabkommen mit den Vereinigten Staaten und Freihandelsverträge innerhalb des Mercosur an. Zu seinem Hauptanliegen hat er jedoch die Verbesserung der öffentlichen Sicherheit gemacht, gerade auch im Hinblick auf die vor allem in der Hauptstadt spürbar wachsende Jugendkriminalität. Zur Zeit können jugendliche Straftäter unter 18 Jahren rechtlich kaum belangt werden. Lacalle beabsichtigt nun das Mindestalter für rechtliche Verantwortung auf 16 herabzusetzen. Außerdem soll die Polizei gestärkt werden.

Weitere wichtige Programmpunkte sind eine weitere Verbesserung der Ausbildungsmöglichkeiten, eine Förderung der Familien als gesellschaftliche Basis und eine noch weiter reichende Unterstützung und Absicherung ausländischer Investitionen, vor allem auch in der Landwirtschaft, bei gleichzeitiger Unterstützung kleiner Familienbetriebe.

Die Ereignisse der nächsten Wochen sind also in vielerlei Hinsicht bedeutsame Weichenstellungen für die kommenden Jahre.

Vamos a ver que pasa!

con saludos cordiales y hasta la proxima véz

Ihr Michael van Bevern

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9. Uruguay-Newsletter

Veröffentlicht am 17.02.2010 

Vom Saulus zum Paulus?

Liebe Uruguay-Interessenten,

der neue Präsident ist gewählt – am 1. März wird José Mujica in sein Amt eingeführt. Ich habe das nicht erwartet, was wohl auch daran lag, dass die politische Stimmung außerhalb Montevideos teilweise eindeutig in die andere Richtung wies. Mujica wurde vor allem in Montevideo und in den wenigen anderen Ballungsgebieten gewählt. Auf dem Land waren durchgehend die Wähler Luis Alberto Lacalles in der Mehrheit, der in 14 der insgesamt 19 Departamentos vorne lag. Wie groß das politische Gefälle zwischen Montevideo und dem großen "Rest" des Landes ist, beweisen die nackten Zahlen. Während in der Hauptstadt 59,97 % der Stimmen auf Mujica entfielen und Lacalle hier nur 35,95 % erreichte, hatte der Kandidat der Nationalpartei in den 18 übrigen Departamentos zwar knapp, aber doch mit 48,63 % gegenüber 47,37 % für Mujica die Nase vorn, trotz der 4 eingerechneten Departamentos Canelones, Salto, Paysandú und Soriano, in denen wie in Montevideo ebenfalls Mujica die Wahl für sich entscheiden konnte. In unserem "Nachbar-Departamento" Lavalleja ging die Wahl im Vergleich mit Montevideo sogar mit genau umgekehrten Verhältnissen aus, nämlich mit 60,01 % für Lacalle und nur 35,81 % für Mujica.

So sehr das Land nach den reinen Zahlen aber auch gespalten wirken mag, so sehr demonstriert es auch weiterhin eine geradezu vorbildliche Geschlossenheit. Natürlich sieht man der kommenden Legislaturperiode mit gemischten Gefühlen entgegen, zum Teil auch mit Skepsis und Sorge, aber insgesamt überwiegt doch auf allen Seiten eine vorsichtige Zuversicht.

Am vergangenen Mittwoch fand nun im Luxushotel Conrad in Punta del Este eine Veranstaltung statt, auf deren Verlauf man im Land und über die Grenzen hinaus, vor allem in Argentinien, sehr gespannt war. Vor 1.500 Gästen, bedeutenden Unternehmern aus der Region, Politikern, Wirtschaftsfachleuten und Journalisten, legten Mujica und sein gewählter Vizepräsident Astori ihre Vorstellungen hinsichtlich ihrer in wenigen Tagen beginnenden Amtszeit dar.

Ich habe die dazu erschienenen Meldungen der eher konservativ ausgerichteten Tageszeitung "El País" übersetzt, die ich ohne weitere Kommentare hier anführen möchte. Ich sage daher schon an dieser Stelle

con saludos cordiales y hasta la proxima véz

Ihr Michael van Bevern

Aus der "El País" vom 11.02.2010

Mujica gibt gegenüber Unternehmen und der Welt Garantien für private Investitionen.

von EDUARDO DELGADO

Mujica und Astori beteuerten im Hotel Conrad in Punta del Este, alle Arten von Sicherheiten geben zu wollen. Der designierte Präsident unterstrich die Rolle der Privatinvestitionen für die wirtschaftliche Entwicklung. Astori (der designierte Vizepräsident und Wirtschaftsminister, Anm. des Übersetzers) versprach Kontinuität und Wandel. Allgemein wurden die positiven Botschaften der Veranstaltung gewürdigt.

Vor 1.500 in- und ausländischen Unternehmern versicherte Mujica, dass es während seiner Amtszeit weder Enteignungen noch höhere Steuern geben werde und bat darum auf Uruguay zu setzen, nicht nur, um dort zu investieren, sondern auch, um dort zu leben.

Gestern Mittag warteten Dutzende von uruguayischen und argentinischen Unternehmern in der Sonne darauf, dass sich die Türen des Hotels Conrad für sie öffneten. Eine halbe Stunde später wurden sie eingelassen, um vom gewählten Präsidenten José Mujica und seinem Kandidaten für die Vizepräsidentschaft, Danilo Astori, etwas zur politischen und wirtschaftlichen Ausrichtung ihrer am 1. März beginnenden 5-jährigen Regierung zu hören.

Der Gastgeber, Juan Carlos Lopez Mena (Buquebus), Präsident der uruguayisch-argentinischen Industrie-und Handelskammer, hatte zum Mittagessen geladen und es kamen fast 1.500 einheimische und ausländische Unternehmer zu der Veranstaltung, die unter der Schirmherrschaft der uruguayischen Export-Union und der uruguayischen Bau-Kammer stand.

Stabilität. Mujica betonte, dass es in seiner Amtszeit Sicherheit und klare Regeln geben werde und er würdigte und begrüßte die Anwesenheit der Oppositionsführer. Zu der Versammlung waren auch die Ex-Präsidenten Luis Alberto Lacalle und Julio María Sanguinetti, der Vorsitzende der Partei der Colorados, Pedro Bordaberry, und der Senator der Nationalpartei, Jorge Larrañaga, erschienen.

Der designierte Präsident machte auf die Ruhe und Sicherheit im Land aufmerksam, indem sich ein Minister noch ohne Probleme zu Fuß durch die Straßen bewegen könne. Er sagte, dass Investitionen notwendig seien, um mehr und bessere Arbeitsplätze zu schaffen, um soziale Probleme zu lösen und um für die kommenden Generationen bessere Voraussetzungen zu schaffen.

Da für einige Unternehmer, vor allem ausländische, Mujicas Guerilla-Vergangenheit ein negatives Signal ist, welches sie davon abhalten könnte, in Uruguay zu investieren, vor allem vor dem Hintergrund, dass sein politischer Freund Hugo Chávez, der Präsident Venezuelas, erst kürzlich wieder Enteignungen durchführte, versuchte der gewählte Mandatsträger Zweifel an seiner Haltung gegenüber Unternehmern und Investoren aus der Welt zu schaffen. "Wir müssen das Investitions-Klima schützen, denn der Wohlstand ist das Kind der Arbeit und Arbeit braucht Stabilität. Darum bitte ich Sie, auf Uruguay zu vertrauen und auf Uruguay zu setzen. Und das sagen wir nicht uneigennützig. Das sagen wir, weil wir ein profundes Interesse daran haben, denn wir sind keine Trickser und Taschenspieler.", sagte Mujica. Es war ein wichtiges Signal zu betonen, dass Wohlstand nicht durch Gesetze erzwungen werden kann, sondern durch Arbeit geschaffen wird.

Die Unternehmer waren zufrieden und begrüßten die Worte Mujicas, der darauf hinwies, dass historisch die Investitionen in Uruguay gering waren. Man brauche Anleger und Geschäftsleute mit unternehmerischem Mut und Zuversicht. Ein Anleger zeichne sich nicht dadurch aus, Geld zu haben, sondern "Kompetenz und Risikobereitschaft zu besitzen." Das Land habe immer "Menschen mit sehr viel Geld gehabt, die dieses aber ins Ausland geschafft haben, statt es hier einzusetzen."

Investieren ist "kein Glücksspiel, aber wer es tut, weiß um ein gewisses Risiko, weil jemand, der nur auf Sicherheit setzt, für gewöhnlich untergeht.", sagte er und fügte hinzu, dass es die Aufgabe der Regierung sei, mit maximalem Einsatz das Risiko zu minimieren und die dafür nötige Stabilität zu garantieren.

"Natürlich müssen wir das so sagen, schließlich sehen das alle Wirtschaftsfachleute so, auch wenn die nicht sehr vertrauenswürdig sind. Wir Politiker aber müssen uns anstrengen, um vor den Menschen unser Gesicht und unsere Glaubwürdigkeit zu wahren."

Mujica betonte in seiner Rede, das Land habe "viele soziale Probleme" und darum braucht es Investitionen. "Es braucht Arbeit, mehr und bessere Arbeit, die besser bezahlt wird" und es braucht handfeste, klare Gesetze, sagte er. "Wir brauchen ein investitionsförderndes Klima. In der Vergangenheit war das eine Katastrophe. Man zog es vor, das Geld auf Bankkonten im Ausland zu legen, statt es hier zu investieren. Heute müssen wir dazu aufrufen, nationaler zu handeln. Bauen Sie darauf, hier weder enteignet, noch von Steuern erdrückt zu werden.", versicherte er.

Er erinnerte daran, dass, wenn mehr investiert wird, "auch die Wirtschaft mehr wächst, umso mehr wachsen die Einnahmen, die wir benötigen, um weitreichende soziale Investitionen vornehmen zu können. Aber wenn wir versuchen, diese Einnahmen durch erhöhte Steuern auf unseren eigenen Wohlstand zu erwirtschaften, sind wir erledigt, weil wir damit die Gans töten, die goldene Eier legt."

Mujica sagte, dass "es Dinge gebe, die habe der Staat zu regeln, und Dinge, die durch private Aktivitäten geregelt werden." Als Beispiel führte er an, dass der Staat für den Straßenbau zu sorgen habe und Straßengebühren für deren Nutzung erheben muss, dann gebe es auch bald wieder Eisenbahnlinien. (Mujica setzt sich vehement für die Wiederherstellung des alten, mehr als 3.000 km langen Eisenbahnnetzes in Uruguay ein, das seit 50 Jahren praktisch stillliegt. Anm. des Übersetzers)

"Der Staat muss investieren und dafür benötigt er eine funktionierende Wirtschaft.", sagte er.

Astori: Kontinuität, allerdings mit Änderungen

Der gewählte Vizepräsident Danilo Astori sprach auf seiner Rede den Anwesenden seinen Dank aus, vor allem auch den beiden ehemaligen Präsidenten Julio Sanguinetti und Luis Alberto Lacalle. Er sagte, eine neue Regierung müsse immer erst einmal das Vertrauen der Bürger gewinnen und wies auf die groben Richtlinien hin, auf die sich die neue Regierung stützen werde.

Man werde zur Politik von Tabaré Vázquez eine Balance zwischen Kontinuität und Wandel halten und aufbauen auf die Entwicklung der Infrastruktur, die Reform des Staates und eine gleichmäßigere Verteilung des Wohlstands.

Astori betonte, dass das inzwischen erreichte Niveau an motivierenden Anreizen so hoch wie nie zuvor sei und dass man bestrebt sei, das Land immer weltoffener zu gestalten. Er sprach in diesem Zusammenhang vom Konzept eines offenen Regionalismus.

Außerdem sagte er, dass man auf dem Arbeitsmarkt ausgewogene Strukturen in den Beschäftigungsverhältnissen anstrebe, die nicht von Konflikten, sondern von Vertrauen geprägt sein sollten und vom Streben nach Stabilität.

Freude über das Treffen auf Seiten des Frente Amplio

Die Freude über die Resultate des Treffens bei den Offiziellen war gestern nicht zu übersehen. Raúl Sendic, der künftige Industrie-Minister, sagte: "Es ist in der Geschichte Uruguays beispiellos, dass eine gewählte Regierung so starke Signale gab und einen so deutlichen Aufruf an Unternehmer und Investoren richtete.", und es sei auch noch nie da gewesen, dass "diese derart positiv reagierten und ihr Vertrauen in die neue Regierung demonstrierten, fast, als stünde man zum Einlauf bereit, zu einem Spiel im Estadio Centenario (WM-Stadion in Montevideo, Anm. des Übersetzers). Für den künftigen Generalsekretär des Präsidenten, Diego Canepa, war das gemeinsame Mittagessen eine Bestätigung, dass es im "Land mit Ernsthaftigkeit, Weisheit und politischer Verantwortung vorwärts ginge, weiter vorwärts, als mit jeder anderen Regierung zuvor." Der Präsident der BROU (Banco República Oriental del Uruguay) sagte, man habe den Unternehmern bestätigt, "dass es so etwas wie Enteignungen und zusätzliche Steuern nicht geben werde und man die Praxis der Investitionsförderung beibehalten werde."

Die Arbeitgeber haben gehört, was sie von der neuen Regierung hören wollten

Mujica wurde für seine wirtschaftliche Herangehensweise mit Lob überschüttet

von M. GALLARDO / G. PÉRGOLA PERGOLA

Sachlich, vielversprechend, positiv, kühn und modern. So umschrieben verschiedene Unternehmer die Worte des designierten Präsidenten. Cristiano Rattazzi, Carlos Bulgheroni, Pancho Dotto und Graciela Borges, alle waren sie im Conrad dabei.

Seit 12 Uhr Mittags bildeten sie vor den Türen des Hotel Conrad eine lange Schlange unter der heißen Sonne, um bei dem Treffen mit Mujica dabei zu sein. Diesen Andrang hatte man nicht erwartet, aber dieser unglückliche, ja fast schon kritische Organisationsfehler war vergessen, als die Wirtschaftsgrößen die ersten Worte Mujicas hörten.

Am Ende sah man an fast allen Tischen lächelnde Gesichter und Händeschütteln. Die Unternehmer speisten, applaudierten und hörten das, was sie zu hören erhofft hatten. "Fantastisch – es war wirklich eine sehr vielversprechende Rede. Mujica sprach mit einem hohen Maß philosophischer Abstraktion, alles was er sagte, war einfach genial.", sagte Martin Eurnekian von der Eurnekian Gruppe des Flughafens Carrasco gegenüber "El País", "es wurde klar, dass er die Regeln einhalten wird und die Türen für Investoren offen sind."

In der gleichen Weise sprach auch Ruben Scarone, Präsident des Logistikunternehmens Grupo Ras. Er war sehr zufrieden mit dem Treffen und betonte, dass die Rede des zukünftigen Präsidenten ein öffentliches Engagement für die Unternehmen gewesen sei. "Das waren sehr sachliche Erklärungen und sowohl von Astori als auch von Mujica verbindliche, offene Aussagen. Wir sind zufrieden und vertrauen ihren Worten."

Im Conrad waren bedeutende Unternehmer der Region anwesend, vor allem aus Argentinien, wie z. B. Cristiano Rattazzi, der Direktor von Fiat Argentinien, Carlos Bulgheroni, Chef der Bulgheroni-Gruppe, außerdem weitere bekannte lokale Größen wie Carlos Alberto Lecueder, Gabriel Rozman, Daniel Ferrere, Laetitia D`Arenberg, Juan Salgado und Vertreter verschiedener Firmen, wie Fripur, Sancor, Petrobras und PDVSA.

Rattazzi unterstrich das wichtige Signal der politischen Geschlossenheit in Uruguay, die man bei dem Treffen gezeigt habe, dass "die zukünftige Regierung zusammen mit den ehemaligen Präsidenten aufgetreten ist und einer gemeinsamen wirtschaftlichen Linie folgt." Er verspüre einen "gesunden Neid" und beklagte, dass es so etwas in Argentinien nicht gebe. "Dort geschieht genau das Gegenteil. Dort wirft man ständig alles über Bord. Wir sehnen uns danach, dass Argentinien eines Tages so sein möge.", fuhr der argentinische Geschäftsmann fort.

Für den Direktor von Petrobras Uruguay, Iran Varela, war die Rede des zukünftigen Präsidenten das, was die Wirtschaft hören wollte. "Es war ein moderner Diskurs, objektiv und zukunftsweisend. Man hat klar herausgestellt, dass die Unternehmen ein wichtiger Motor für das Land sind."

Auch Alexander Vik, laut den Zeitschriften Forbes und Fortune einer der 150 reichsten Unternehmer der Welt, nahm zusammen mit seiner Frau Carrie an dem Mittagessen teil.

Auch er bezeichnete das Treffen als ausgezeichnet. "Die Reden von Astori und Mujica haben mir sehr gut gefallen, denn sie waren geprägt von einer weltoffenen Philosophie und verdeutlichten, dass Arbeit die Grundlage von allem ist. Man muss im Leben Risiken eingehen, um Wohlstand für alle zu schaffen. Das ist der Weg in die Zukunft, sich in einem freien und reichen Land für die Armen einzusetzen. Wenn Uruguay dieser Linie weiter folgt, geht es einer großen Zukunft entgegen. Darauf kommt es an.", sagte Vik.

Bulgheroni für seinen Teil sagte, dass dieses Treffen "Uruguay die Möglichkeit gab, sich zu präsentieren, wie es ist."

Persönliche Betreuung

Vor den Reden der Politiker wurden Unternehmer, die sich für eine Geschäftstätigkeit in Uruguay interessieren, dazu aufgerufen, ein Formular auszufüllen, mit den Kontaktdaten des Unternehmens, dem Unternehmenskonzept, der angedachten Investitionssumme und der Möglichkeit, um ein Beratungsgespräch mit den Ministern zu bitten. Der künftige Industrieminister Roberto Kreimerman betonte in diesem Zusammenhang, dass jeder, der sich dafür interessiere, von den Ministern zu einem Gespräch eingeladen würde, wenn das Thema von entsprechendem Interesse sei, könnte ein solches Gespräch sogar mit bis zu drei Ministern gleichzeitig stattfinden. "Ein Investor muss z. B. in wirtschaftlicher und ökologischer Hinsicht sowie bezüglich der Nutzung von Grund und Boden nach Lösungen suchen. Das fällt in die Zuständigkeit verschiedener Ministerien und alles auf diese einzelnen Ministerien zu verteilen, würde die Sache unnötig verzögern."

Juan Carlos López Mena war der glücklichste, der Unternehmer

Trotz des anfänglichen Chaos stand er in der Eingangshalle des Hotel Conrad und begrüßte die eintreffenden Gäste. Die Schlange vor dem Hotel wurde immer länger und es ging kaum vorwärts. Juan Carlos Lopez Mena, der argentinische Geschäftsmann, Inhaber von Buquebus, war der große Held des Tages und machte aus seiner Freude am Ende der Sitzung keinen Hehl.

"Wir haben sämtliche Erwartungen übertroffen. Die Teilnahme so vieler Unternehmer, die hören wollten, was Mujica zu sagen hat, zeigt das enorme Interesse an dem neuen Präsidenten Uruguays.", sagte er.

Bezüglich der Reden von Astori und Mujica sparte er nicht an Lob. "Ausgezeichnet. Sehr viele Unternehmer, die Mujica nie zuvor haben reden hören, fielen regelrecht aus den Wolken. Die Anwesenheit der ehemaligen Präsidenten war ebenfalls etwas völlig Unerwartetes. Das ist eine Botschaft, die von der Zivilität und der Sicherheit Uruguays zeugt, etwas, was es in vielen Ländern so nicht mehr gibt, nicht einmal in Spanien. Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass wir mit Mujica noch die positivsten Überraschungen erleben werden.", betonte er mit Nachdruck.

Es kamen fast alle und sie kamen auf unterschiedlichste Weise. Einige waren bereits in Punta del Este, einige waren im eigenen Fahrzeug angereist und der Rest kam mit der Fähre von Buquebus über den Río de la Plata aus Buenos Aires.

Die argentinische Präsenz beschränkte sich nicht nur auf Unternehmer aus dem Nachbarland, die interessiert waren, den gewählten Präsidenten zu hören. Es kamen auch Künstler, Politikanalysten, Journalisten und Modellpromoter.

Im Conrad waren gestern alle, vom ehemaligen Leiter von Interpol Mexico, Juan Miguel Ponce Edmonton, über alles, was in der argentinischen Wirtschaft Rang und Namen hat, bis zu herausragenden Journalisten wie Daniel Hadad und Marcelo Longobardi, Künstlern wie Graciela Borges und der Unternehmerin Martha Fort, Mutter von Media Ricardo Fort. "Für mich hat der neue Präsident sehr klare Vorstellungen, wie man ein Land zu führen hat. Er hat mich wirklich fasziniert.", sagte die Unternehmerin.

Meinungen zum Treffen mit Mujica

Luis Alberto Lacalle, Senator der Nationalpartei und Ex-Präsident

"Die Rede von Präsident Mujica erschien mir sehr vielversprechend, ein gravierender Richtungswechsel seitens des Frente Amplio (Breite Front, das z. Z. regierende Linksbündnis, Anm. des Übersetzers). Das gibt uns in vieler Hinsicht Hoffnung, denn es ist eine empirische Position, wenn man erkennt, dass es keine Arbeitsplätze ohne Kapital geben kann, ohne in- und ausländische Investitionen. Wir denken, dass es wirklich eine substantielle Neuausrichtung ist, von der wir hoffen, dass die Parteien des Frente Amplio sie unterstützen, das ist die entscheidende Frage."

Pedro Bordaberry, Senator und Vorsitzender der konservativen Partei der Colorados

"Sehr gut, dass Mujica von Liberalismus sprach. Zu sagen, an erster Stelle stünde die Investition und dann komme die Arbeit, das war sehr wichtig und mutig. Das war eine starke Aussage. Außerdem, die finanzielle Vernunft, die Astori andeutete – das sind Dinge, die ich niemals zu hören erwartete, vor allem nicht schon gleich zu Beginn der Regierung. Das ist es, was die internationale Gemeinschaft der Investoren zu hören hoffte. Die Tatsache, dass auch die Opposition anwesend war, ist einem positiven Klima sehr förderlich."

Julio Sanguinetti, Senator der Partei der Colorados und Ex-Präsident

"Wir waren hier, um vor den anwesenden Wirtschaftsleuten der Region zu zeigen, dass das politische System Uruguays dem Dialog Platz bietet und wir alle gemeinsam in die Zukunft schauen. Wir freuen uns, dass hier von der Ökonomie der Märkte, einer offenen Wirtschaft, internationaler Wettbewerbsfähigkeit und der Einhaltung der damit verbundenen Verträge gesprochen wurde. All das galt bis vor ganz kurzer Zeit nur für den "Konsens von Washington" und den neoliberalen Staat."

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© van Bevern Propiedades, 2010

 

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